China und Marxismus bilden aus historischer Perspektive eine erstaunliche Verbindung. Wie kann die Volksrepublik China als eines der L鄚der mit der l鄚gsten Tradition ausgerechnet eine Weltsicht des europ鄜schen 19. Jhdt als Leitideologie adoptieren? Und wie kann der Marxismus ausgerechnet in China, laut Marx das kulturelle Gegenteil Europas, staatstragend werden? Ebenso erstaunlich ist die gegenw酺tige Gestalt dieser Verbindung. Ist die gezielte Integration des Marxismus kulturell mit der chinesischen Tradition, 闥onomisch mit einer Marktwirtschaft und politisch mit der Priorisierung von Nationsst酺kung nur eine chinesische Besonderheit, oder auch authentisch marxistisch?
Eine Untersuchung der gegenw酺tigen marxistischen Philosophie Chinas er鐪fnet Perspektiven. Die chinesischsprachige akademische Marxismusforschung wird zun踄hst auf ihr Verh鄟tnis zur amtlichen Ideologie untersucht. Ein wiederkehrendes Schema der Wechselwirkung beider zur Hervorbringung von Leitkonzepten des chinesischen Sozialismus l酲st sich nachweisen (Kapitel 1). Anhand der Rezeptionsgeschichte eines Textes von Karl Marx wird dann die mehr als 100-j鄣rige Geschichte der marxistischen Philosophie in China rekonstruiert. Deutlich wird, wie eng sie mit den gro en politischen Tendenzen Chinas verwoben ist und diese zu verstehen hilft (Kapitel 2). F den Zeitraum ab 2012 werden anschlie end drei zentrale Debatten identifiziert und diskutiert. Unter dem Stichwort "Zweite Integration" werden 鈁ereinstimmungen zwischen Marxismus und chinesischer Tradition diskutiert und als Ressource f Chinas spezifische Moderne in Anspruch genommen (Kapitel 3). Die "sozialistische Marktwirtschaft" wird in neueren Auslegungen nicht nur mit einer notwendigen Anpassung an die Praxis, sondern vom Literalsinn von Marx' Texten her gerechtfertigt. Kapitalentwicklung sei vorergehend f den Sozialismusaufbau f顤derlich, ebenso wie etwa f 闥ologische Zielsetzungen (Kapitel 4). Die politischen Prinzipien des chinesischen Sozialismus werden im Ausdruck der "Mission des Anfangs" kondensiert und in Kontinuit酹 mit Maos gesetzt. Aus dem marxistisch-philosophischen Erbe Maos erschlie t sich die 鈁erwindung parteiinterner Widersprhe als der entscheidende locus politicus (Kapitel 5). Abschlie end wird die nationale Zielsetzung im chinesischen Marxismus ausgehend von Marx' Schriften kritisch hinterfragt. Die jgst wichtige Debatte um Zivilisation enth鄟t bereits das Potenzial, den chinesischen Marxismus er eine nationale Engfrung hinauszufren (Kapitel 6).
Die Hauptthese lautet: Dem Selbstverst鄚dnis nach stellt die marxistische Philosophie der chinesischen Gegenwart die theoretischen Grundlagen der politisch umzusetzenden Selbstemanzipation Chinas bereit. Das authentisch Marxsche liegt in der Ambition der Selbstemanzipation, das origin酺 Chinesische im Fokus auf Nation. In dem Selbstbewusstsein, dass im chinesischen Marxismus Ressourcen f eine neue Form menschlicher Zivilisation entwickelt werden, beginnt sich das Emanzipationsziel von der Nation auf eine allgemein menschliche, weltgeschichtliche Dimension auszuweiten.
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